Wie Sie einen Streit vermeiden, ohne Ihr Anliegen aufzugeben

Streit ins Freundliche lenken und Selbstbewusstsein in der Kommunikation leben

Jeder von uns kennt das: Irgendein Auslöser führt zu einem Austausch von Argumenten, das Ganze eskaliert zu einem Streit und am Ende sind beide sauer aufeinander, oft sogar, ohne noch genau zu wissen, was eigentlich der Auslöser war. Manchmal mag ein tieferer Konflikt dahinter stehen. Manchmal hat mindestens einer der Beteiligten schlechte Absichten. Aber in den allermeisten Fällen fehlt es „nur“ an Bewusstheit in der Kommunikation. Wie können Sie aber selbstBEWUSST kommunizieren, Ihren Standpunkt und Ihre Wahrheit vertreten, ohne in die Eskalationsfalle zu geraten?

Das Schema – so wird Kommunikation zur Auseinandersetzung

Sie leben oder arbeiten mit einem anderen Menschen zusammen oder sind auf andere Weise verbunden. Oft sogar mit einem geliebten und geschätzten Menschen. Aber entweder Sie oder die Andere haben ein Problem mit einem ganz konkreten Verhalten. Das kann eine offen gelassene Zahnpastatube sein, gehäuftes Abschneiden von Sätzen, ein schlechtes Arbeitsergebnis, etwas das die Andere tut oder sagt oder gerade nicht tut oder sagt.

Oft wird das nicht thematisiert, weil man keine schlechte Stimmung aufbringen möchte, den Anderen nicht verletzen möchte, sich vor seiner Reaktion fürchtet, großzügig ist usw. Aber der Pegel der Unzufriedenheit steigt und so kommt das Thema zur Sprache, wenn der Wasserpegel bereits nahe an oder mitten in Aggression ist. Das ist der erste „Fehler“: So lange mit Kommunikation und Korrektur warten, bis der Topf überläuft. An diesem Punkt hat auch das Gegenüber oft längst mitbekommen, dass etwas nicht stimmt und daraus seinerseits vielleicht eine innere Irritation oder Aggression entwickelt.

Streit vermeiden - selbstbewusst kommunizieren

Streit vermeiden – Quelle: studio @Fotolia Streit vermeiden

geschlechtsneutral

Da ein Text unsinnig wird, wenn er geschlechtsneutral formuliert wird und eine ständige zweigeschlechtliche Alternativformulierung für sie/ihn unleserlich ist, wähle ich in den Formulierungen mal das eine, mal das andere Geschlecht. Welches wo gewählt wird, hat keinerlei Bedeutung.

Das Kommunikationsschema läuft dann meist so:
  1. Äußern von Kritik

        A: Du tust (immer, nie) … und das finde ich mies.

  1. Dann folgt das Schema auf Handlungsebene:

        B: (Ich habe recht, Du hast unrecht)

        A: (Ich habe recht, Du hast unrecht)

  1. Dann fühlt sich einer ungerecht bewertet und bringt einen Vorwurf an den anderen ein, der mit dem Thema gar nichts zu tun hat. Sozusagen, um ein gefühltes Gleichgewicht an Vorwürfen herzustellen. Spätestens dann geht es nicht mehr um die Sache sondern ums Gewinnen der Auseinandersetzung.

        B: Aber Du machst … und das ist viel schlimmer.

        A: Das stimmt doch gar nicht und Deins ist viel schlimmer.

  1. Und dann fängt einer von Beiden an, die Person/ Identität anzugreifen. Das kann z.B. so passieren:

        B: Ich? Du tust doch (immer, nie) …!     Und ich finde, Du müsstest Dich entschuldigen!

        A: Ich mich entschuldigen? Du müsstest Dich entschuldigen. Du bist doch derjenige, der …!

  1. Dann folgt das Streit-Schema auf Identitätsebene:

        B: (Ich bin gut, Du bist böse)

        A: (Ich bin gut, Du bist böse)

  1. Einer beendet die Kommunikation durch Abbruch oder Nachgeben:

        A oder B: Mir reicht’s. Mit Dir kann man nicht reden und ich kann mit Dir nicht leben.

Schlimmstenfalls endet der Streit in einer Verfeindung von A und B. In glücklichen Fällen werden sie erkennen, dass alles gar nicht so schlimm war und werden wieder „gut sein“. In anderen Fällen kann es zu Kontaktabbruch oder lebenslanger Feindschaft kommen. Und das ist gar nicht gut, wenn es sich um den Lebenspartner oder die Chefin handelt.

Bewusst kommunizieren und Aggression auflösen

Wie also können Sie solchen Fallen entgehen, Ihr Anliegen einbringen und eine Verbesserung Ihrer Beziehung erreichen?

Wichtigster Kern des Problems

Vielleicht der wichtigste Punkt zum Verständnis, warum aus einem simplen Thema leicht eine Eskalation nach diesem Schema entstehen kann ist, dass es im Kern um das Aufrechterhalten des Selbstbildes geht. 

Wie wir im Kapitel über Identität noch sehen werden kann eine Kritik leicht das Selbstbild, also die Identität einer Person angreifen, auch wenn das vom Kommunikationspartner gar nicht gewollt ist. Deshalb ist auch das recht haben oft ein ganz wichtiges Thema in solchen Gesprächen.

Selbstbild defekt oder intakt - Selbstbewusstsein in Form von Identität

iSelbstbild intakt oder defekt – Quelle: Photographee.eu @ Fotolia

Aber schon das Recht haben allein kann schon ein Kampf ums Selbstbild sein. Wenn man sich dem Anderen überlegen oder gleichwertig fühlt, gefährdet unrecht haben dieses innere Bild. Wenn Sie oder Ihr Gegenüber sich auch noch gewohnheitsmäßig ständig mit anderen vergleichen, kommen Sie in Ihrer Kommunikation erst einmal kaum von dem Streit ums recht haben weg.

Im Inneren könnten dann solche Gedanken auftauchen: Wenn der Andere recht hat mit der Kritik, dann hätte ich ja einen Fehler und das darf nicht sein, denn ich bin gut. Wenn die Andere recht hat mit ihrer Sicht, dann ist sie intelligenter als ich, und das kann nicht sein, weil ich ja viel intelligenter bin als die Anderen.

Beachten Sie also zwei Dinge in Ihrer Kommunikation:

  • Lassen Sie Ihrem Gegenüber die Freiheit, ein gutes Selbstbild/ eine positive Identität zu haben.Eine Ausnahme davon gibt es nur, wenn objektiv eine wichtige Korrektur am Selbstbild vorgenommen werden muss.
  • Haben Sie auf der Rechnung, dass Ihr Gegenüber sich auch durch Sachthemen in seinem Selbstbild angegriffen fühlen kann und in diesem Fall emotional reagiert.

Aggressionsbeschleuniger vermeiden

Der erste Aggressionsbeschleuniger ist das Warten mit dem Ansprechen des Missstands, bis der Kessel überkocht. Subtil teilen Sie nämlich schon längst mit, dass Sie mit Ihrem Gegenüber nicht einverstanden sind. Ihre Stimmlage, Körpersprache, Wortwahl, Ihr Rückzug usw. sind Ausdruck Ihres Konfliktes, bevor Sie ihn ausdrücken. Und Ihr Gegenüber kennt Ihren Grund nicht, kann das auf sich als Persönlichkeit beziehen oder auf sein eigenes Handeln, das aber vielleicht mit Ihrem Thema gar nichts zu tun hat.

Beispielsweise sind Sie sauer, dass Ihre Freundin lange nicht anruft. Als sie anruft, klingen Sie gereizt und kurz angebunden. Sie denkt also, dass sie nicht willkommen ist und ruft noch seltener an. In diesem Fall interpretiert sie also Ihren Konflikt als das genaue Gegenteil und so verstärkt sich das Problem, obwohl Ihre Freundin vielleicht einen wirklich gute Absicht hat.

Positive Absicht würdigen

Das bringt uns gleich zum zweiten Punkt: Sehr leicht unterstellen wir unserem Kommunikationspartner böse Absichten. Unterstellen Sie dann böse Absichten, kann das sehr leicht in Aggressionen Ihres Gegenübers führen. Und sehr leicht kommen Sie dadurch auf die Identitätsebene (siehe späteres Kapitel), wo Sie den Anderen als insgesamt böse sehen oder bezeichnen oder umgekehrt.

Diese Aggressionsspirale können Sie unterbrechen, indem Sie hinterfragen, welche positive Absicht Ihr Gegenüber mit seinem Verhalten haben könnte. Oder noch besser, Sie fragen die Person danach. Wenn Sie die positive Absicht der anderen Person hinter ihrem Verhalten erkennen und würdigen können, ist der Konflikt im Regelfall auch beendet.

Ob jemand eine böse Absicht hat oder nicht, können Sie nicht wissen, wenn Sie mit Ihrem Gegenüber nicht darüber reden. Und das führt uns zu einem weiteren Aggressionsbeschleuniger…

Gedankenlesen unterlassen

Gerade in spirituellen Kreisen aber auch in ganz unspirituellen Kreisen machen viele Menschen den Fehler zu glauben, sie könnten besser wahrnehmen als das Gegenüber, was im Gegenüber vorgeht. So kommt es ganz leicht zu Unterstellungen schlechter Absichten, niederer Persönlichkeitseigenschaften usw. Wenn diese Unterstellungen zutreffen, mögen Sie vielleicht in manchen Fällen erreichen, das der Andere einsieht, dass er einen Fehler gemacht hat und das korrigiert. Aber selbst wenn Sie einen Treffer landen, kann es leicht sein, dass Ihr Kommunikationspartner auch getroffen reagiert und mit einer Gegenattacke antwortet.

Wenn sie mit Ihrem Vorwurf aber falsch liegen, werden Sie garantiert Aggressionen auslösen und eine Gegenwehr bekommen. Und wenn Sie jetzt Ihre Wahrnehmung über die Ihres Gegenüber stellen, wird das Ihre Beziehung schädigen.

Ein Klassiker ist die selbsterfüllende Prophezeiung: Vielleicht unterstellen Sie dem Anderen, aggressiv und gereizt zu sein, wo dieser einfach nur sachlich seinen Standpunkt ausgedrückt hat. Weil Sie das aber unterstellen, wird Ihr Gegenüber gereizt, die Stimme wird etwas verzerrt, die Körpersprache angespannt. Darin sehen Sie eine Bestätigung und verschärfen Ihren Vorwurf. Dadurch wird Ihr gegenüber erst recht gereizt und drückt vehement aus, keine Aggression gehabt zu haben und ungerecht beschuldigt zu werden, seine Stimme ist diesmal lauter. Damit haben Sie das Verhalten erreicht, das Sie unterstellt haben. Also fühlen Sie sich bestätigt und sind sich sicher, dass der Andere nicht nur Aggressiv sondern auch noch unehrlich ist.

Der Ausweg hier ist, nicht Gedanken oder eine innere Haltung zu unterstellen sondern das Verhalten zu beschreiben das Sie beobachten und Ihre Interpretation davon klar trennen. Diese Interpretation könnten Sie ganz sein lassen und lieber bei Ihrem Gegenüber nachfragen, wie Sie das interpretieren sollten. Oder wenn Sie Ihre Interpretation ausdrücken sagen Sie: „auf mich hat das die Wirkung, als ob…“. Dann lassen Sie Ihre Wahrnehmung bei Ihnen und stülpen sie der Anderen nicht über. Und damit verfolgen Sie eine viel freundlichere und klarere Kommunikation.

Unterstellungen lassen

Wissenschaftliche Studien zeigen: ca. 70% unserer Erinnerungen sind falsch. Und auch Polizisten sind immer wieder entsetzt, wie schlecht Zeugenaussagen sind. Der eine sagt, das Auto war weiß, der andere sagt, es war blau. Und beide schwören Stein und Bein, dass sie sich genau erinnern können. Ehrlicherweise müssen wir sagen: Unser Wahrnehmungsfilter nimmt die Realität tendentiell so wahr, wie wir sie erwarten. Wenn wir erwarten, abgelehnt zu werden, werden wir Signale dazu wahrnehmen. Wenn wir erwarten, überzeugend zu sein, werden wir die Signale dazu aufnehmen. Und auch die Erinnerung an vergangene Ereignisse sind von unsere positiven und negativen Erwartungen gefiltert, genauso wie danach was in unserem Akzeptanzlevel, Selbstbild, Weltbild usw. liegt.

Einer meiner Hoschschulprofessoren gab uns einen guten Rat für die Kommunikation in einer Ehe: „Sagen Sie niemals: Du hast gesagt. Sagen Sie immer: ich habe gehört.“ Und genau darum geht es: Drücken Sie aus, was Sie wahrgenommen haben statt dem anderen eine Tat oder Worte zu unterstellen. Damit sagen Sie inhaltlich das Gleiche aber Sie greifen nicht auf Ihren Kommunikationspartner über.

Wenn es um handfeste Dinge geht, dann drücken Sie es auch so aus, wie es ist, z.B. „Mir wurde erzählt, dass Sie Frau xyz verbal angegriffen haben. Ich würde gerne verstehen: Stimmt das? Bzw. wie ist denn Ihre Sicht darauf?“

Prüfen, womit ich diese Situation erschaffe

In vielen Ratgebern wird behauptet, dass jede Situation letztlich von Ihnen selbst verursacht wird und Ausdruck Ihrer inneren Glaubenssätze und Ihres Handelns sind. Und ich glaube auch, dass das zum Teil stimmt. Denn durch das was wir innerlich glauben wird unsere nonverbale und verbale Kommunikation bestimmt, wodurch auch wieder die Reaktion auf uns bestimmt wird. Es gibt aber einige „Aber“.

Dieser Rat wird ganz oft missbraucht bzw. pervertiert, indem man nicht selbst bei sich schaut sondern dem Anderen sagt, er solle sich ansehen, wodurch ER diese Situation verursacht. Und das ist nun genau das Gegenteil dessen, was die Ratgeber meinen.

Das ist dann eine besonders perfide Art des „ich habe recht und Du unrecht“ Kommunikationsschemas. Wenn dieser Gründe findet, was Sie falsch gemacht haben, dann ist dieser selber schuld, weil Sie ja nur sein Spiegelbild sind. Eins dürfte Ihnen aber klar sein: Frieden schaffen Sie so nicht.

Daher: Übernehmen Sie Eigenverantwortung und sehen Sie sich ehrlich an, womit Sie die Situationen erschaffen haben, mit denen Sie in Konflikt sind.

Dieses Erschaffen ist aber eben meist nicht so trivial, wie sich das viele vorstellen. Es kann natürlich sein, dass Ihr Gegenüber aggressiv ist, weil er ein Spiegelbild Ihrer eigenen Aggression ist. Eine Verurteilung von Anderen kann durch Ihr inneres Verurteilen des Anderen verursacht sein, in dem Fall sind Sie „Täter“. Es kann aber auch sein, dass die Verurteilung durch Andere durch Ihre Selbstverurteilung verursacht wird. In dem Fall sind Sie „Opfer“. Oder es kann sein, dass Sie durch ein traumatisches Ereignis so auf negative Ereignisse eingestellt sind, dass Sie nur die negativen Signale aufnehmen und so Ihre Situation bzw. Ihre Kommunikation in genau Ihre Erwartungshaltung steuern.

Typischer Rat: dem anderen recht geben

„Wollen Sie recht haben oder glücklich sein?“ fragt Robert Betz sogar in einem Buchtitel. Und auch Dale Carnegie empfiehlt in seinem Klassiker „Wie man Freunde gewinnt“, in einem Streit den man nicht gewinnen kann, dem Anderen recht zugeben. Diese Taktik ist sicher geeignet, eine akute Situation zu beruhigen und das Gegenüber wird dann erst einmal zugänglicher sein und evtl. auch von seiner Seite aus Zugeständnisse machen.

Die Gefahr dabei ist aber, dass Ihr Kommunikationspartner Ihren Standpunkt nicht wahrnimmt und sich innerlich verfestigt, dass er recht und Sie unrecht hatten. Das kann dann so weit gehen, dass Sie dann der Böse sind und die nächsten Auseinandersetzung um so härter geführt wird, oder Sie mit Ihrer Wahrheit gar nicht mehr durchdringen, oder Ihre Beziehung langfristig durch ein geschädigtes Bild von Ihnen beschädigt ist.

Daher macht das „recht geben“ nur da Sinn, wo Sie Ihrem Kommunikationspartner nur punktuell begegnen oder eine eskalierende Situation akut beruhigt werden muss. Es gibt aber andere Wege, an diesem Punkt die Kommunikation zu gestalten.

 

Niemals die Identität attackieren

Kommen wir jetzt also zum wichtigsten Punkt in der Kommunikation.

Zunächst die Frage an Sie: Welche Worte treffen Sie ins Mark und womit können Sie gut umgehen? Den allerwenigsten Menschen ist bewusst, dass es Prinzipien hinter dieser Empfindung gibt. Eine einfache Faustregel ist: Wenn Sie für etwas kritisiert werden, das Sie leicht ändern und wählen können, dann ist das nicht so schlimm. Wenn Sie für etwas kritisiert werden, dass Sie Ihrer Wahrnehmung nach nicht ändern können, trifft es Sie tief. Zumindest, wenn es von einer Person kommt, deren Meinung für Sie relevant ist.

Dahinter wiederum steht noch eine wichtigere Erkenntnis: Wie etwas bei Ihnen ankommt, hängt von der Ebene ab, auf die Sie die Aussage beziehen. Robert Dilts hat die psychologischen Ebenen herausgearbeitet und formuliert.

Wenn etwas Schlechtes passiert, schieben wir das gern auf die Umstände oder das Umfeld. „Der Erfolg hat viele Väter, der Misserfolg ist ein Waisenkind.“ Lautet nicht umsonst eine Volksweisheit. Ist das Unternehmen erfolgreich, war es der Manager, der Investor, der Vertrieb usw. Ist es nicht erfolgreich, dann ist „der Markt“ oder „die Politik“ oder der Fehler eines Anderen schuld. Das liegt daran, dass wir das Umfeld nicht zu unserer Identität zählen, es liegt außerhalb und da tut es nicht weh.

Auf der Handlungsebene ist Kritik nicht so schlimm. Wenn wir eine schlechte Note schreiben, dann können wir lernen und dann eine bessere schreiben. Wenn wir etwas Falsches gesagt haben, dann können wir etwas anderes sagen usw. Handeln kann man leicht ändern, man kann es mit einfachem Willen anders entscheiden und deshalb ist es nicht problematisch, wenn wir hier einen Fehler machen.

Problematischer wird es, wenn wir bzgl. unserer Fähigkeiten angegriffen werden, also deshalb unser Handeln nicht ändern können. Wenn wir schlechte mathematische Fähigkeiten haben, dann können wir einen Beruf der das erfordert nicht ausüben. Die gute Nachricht ist aber: Wir können Fähigkeiten lernen und trainieren. Wenn uns die Fähigkeiten also wichtig genug sind, können wir das Problem mittelfristig lösen.

Tiefergehend sind wir durch unsere Glaubenssätze und unsere Werteebene bestimmt. Wenn wir beispielsweise einen tiefen Glauben daran haben, dass wir unfähig sind, ein Problem zu lösen, dann wird das Problem sehr schwerwiegend. Entsprechend tief kann uns also Kritik dazu treffen. Und unsere Werte entstehen auch aus Erlebnissen und Entscheidungen in unserem Leben. Wenn Sie z.B. als Fünfjährige von Ihrem Vater verlassen wurden, wird Ihnen Treue und Verlässlichkeit wichtig sein. Und jemand der diese Werte verletzt, der wird Sie verletzen.

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Im Kern unseres Seins ist unsere Identität. Wer Sie auf dieser Ebene kritisiert, wird Sie erst einmal genau in diesem Kern treffen. Dann haben Sie di Möglichkeit einer emotional starken Abwehr oder Sie nehmen die Kritik an und dezimieren Ihr Selbstwertgefühl. Deshalb treffen z.B. rassistische Beleidigungen oder Äußerungen über den Körper meist tief. Und wenn wir z.B. der Überzeugung sind, dass wir durch unsere Gene bestimmt sind, Sie Fettsucht haben, die genetisch bedingt ist und Sie wegen der Fettleibigkeit angegriffen werden, dann wird Sie das tief treffen.

Letztenendes, auch das ist den allermeisten Menschen nicht bewusst, wählen wir unser Selbstbild, unsere Identität vollständig selbst, indem wir vom ersten Tag unseres Lebens an Entscheidungen darüber treffen, wer wir sind. Aber das ist nicht Inhalt dieses Buches sondern des BRIGHT® Trainings.

Dummerweise ziehen wir mit unserem Sprachgebrauch ständig Eigenschaften und konkrete Handlungsergebnisse auf die Identitätsebene, indem wir „Du bist“ bzw. „Ich bin“ sagen. Statt „ich habe eine schlechte Mathe-Arbeit geschrieben“ (konkrete Handlung) sagen wir „Ich bin schlecht in Mathe.“ (Identität). Oder wesentlich heftiger: statt „Du hast mich mit der Aussage verletzt.“ Sagen wir vielleicht „Du bist ein Schwein.“.

Wichtig ist an dieser Stelle: Wenn  Sie die Identität eines Menschen angreifen oder kritisieren, dann müssen Sie mit einer starken Abwehrreaktion oder aber mit einer Schädigung dieser Person rechnen. Und beides macht für eine langfristige, wie auch immer geartete Beziehung, keinen Sinn.

Wenn Sie also Kritik üben, dann beziehen Sie sich immer auf die Handlungseben, wenn notwendig auf die innere Haltung (die auch leicht zu ändern ist) und niemals auf die Identität. Die höchst bewerteten menschlichen Werte sind Menschenwürde, Respekt und Liebe.

Ganz praktisch: trenne Mensch und Problem – Identität und Handlungsebene

Was bedeuten diese Erkenntnisse praktisch? Kein Mensch ist ein Problem, nur sein Handeln ist es.

Die höchst bewerteten menschlichen Werte sind Menschenwürde, Respekt und Liebe. Halten Sie also immer Ihre Würde, Ihren Respekt und möglichst Ihre Liebe für sich und Ihr Gegenüber aufrecht. Kein Handeln kann starke Respektlosigkeit oder Herabwürdigung rechtfertigen.

Drücken Sie also immer Respekt und Wertschätzung für den Mensch aus und kritisieren Sie ein Problem möglichst nur auf den Ebenen, wo die Person entscheiden kann: Handlung und Haltung.

Wenn Sie also Kritik üben müssen, stellen Sie eine Würdigung der Person voran, z.B.: „Wir sind nun schon seit 5 Jahren Freunde und ich schätze Dich.“

Sagen Sie nie „Du bist ein mieser Lügner.“ Sondern beziehen Sie sich auf die konkrete Handlung: „Du hast gelogen, als Du gesagt hast, dass Du beim Einkaufen warst.“. Noch besser: nehmen Sie auch die Worte heraus, die eine Identitätsfrage nahelegen. Im letzten Beispiel wäre es also sinnvoll, „gelogen“ herauszunehmen und umzuformulieren: „Du hast gesagt, Du warst beim Einkaufen aber das stimmt nicht. Wo warst Du?“

 

Werte kommunizieren -verstehen ermöglichen

Wenn ich zu Ihnen sagen würde: „Hören Sie auf zu lesen.“, dann würden Sie davon mit Sicherheit irritiert sein und die Wahrscheinlichkeit, dass ich Ihr Wohlwollen bekomme oder Ihr Verhalten beeinflusse ist sehr gering.

Wenn ich Ihnen aber sagen würde, dass das was jetzt folgt mir unglaublich peinlich wäre weil der Text noch nicht fertig ist und mir wichtig ist, dass das was Sie lesen wirklich hilfreich ist, werden Sie zumindest keine Aggressionen bekommen.

Wenn Sie begründen, warum Ihnen etwas ein Anliegen ist, dann bekommen Sie Verständnis und die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Gegenüber auf Ihre Bedürfnisse eingeht ist sehr hoch. Insbesondere wenn Sie ausdrücken, warum Ihnen etwas wichtig ist (auf Ihre Werte bezogen), werden Sie hohes Verständnis bekommen, Ihr Gegenüber lernt Sie besser kennen und kann in Zukunft besser mit Ihnen umgehen.

Nehmen wir an, eine Frau macht eine Eifersuchtsszene in der Öffentlichkeit. Das wird den Mann im Regelfall verärgern. Wenn Sie aber erklärt, dass Sie sich aufgrund einer konkreten Situation zurückgesetzt fühlt und ihr das weh tut wenn er lachend mit einer anderen Frau redet, weil ihr Vater in ihrer Kindheit ihre Familie verlassen hat, dann wird er das im Normalfall verstehen und es ist keine Szene notwendig. An diesem Punkt kann man über konkrete Lösungen für das Problem reden. 

Framing – der Kommunikation den richtigen Rahmen geben

Bisher haben wir beleuchtet, wie Sie oder Ihr Gegenüber die Kommunikation ändern können, damit sich Gesprächsstil und Ergebnis verbessert. Aber wenn nur einer sich über die Kommunikation bewusst ist, kann es trotzdem zu Missverständnissen und Eskalation kommen.

Sie also unterscheiden ganz klar zwischen Handlungsebene, innerer Haltung, Fähigkeitsebene und Identitätsebene. Sie drücken etwas auf der Handlungsebene aus. Aber Ihr Gegenüber fühlt sich trotzdem auf der Identitätsebene angegriffen. Wie können Sie das vermeiden?

Dazu ein Beispiel aus der Coaching-Praxis: Sie sagen Ihrer Ehefrau, Sie stört, dass die Küche häufig schmutzig ist. Sie könnte das ganz einfach auf der Handlungsebene ändern. Ihre Frau aber hat wenig in ihrem Leben, worüber sie Anerkennung bekommt und macht ihr Selbstbild auch aus ihren Kindheitserfahrungen heraus daran fest, dass sie eine gute Hausfrau ist. Ihre Aussage greift nun dieses Selbstbild „gute Hausfrau“ an, ohne dass Sie das beabsichtigt oder gemeint haben.

Wenn Sie also jetzt bewusst sind und bewusst kommunizieren ist jetzt noch wichtig, dass Sie diesen Kommunikationsrahmen auch Ihrem Gesprächspartner vorschlagen.

Machen Sie also Ihrer Gesprächspartnerin bewusst, dass Sie nicht sie als Person kritisieren, dass Sie Wertschätzung für sie haben. Erklären sie, dass es Ihnen mit einem bestimmten Umstand nicht gut geht und ihn deshalb ändern wollen. So haben Sie den Rahmen gesetzt und können Ihr Anliegen vorbringen.

In dem hier vorgestellten Beispiel geht es also darum, Ihrer Frau gegenüber Wertschätzung auf der Identitätsebene entgegenzubringen, bevor Sie Ihr Anliegen formulieren. Sie könnten mit ihrem eigenen Selbstbild arbeiten und ihr sagen, dass sie eine gute Hausfrau ist. Oder Sie beziehen sich auf etwas, das Sie selbst wahrnehmen und eine positive Identität darstellt. Z.B. dass sie die liebevollste Frau ist, die Sie kennen. Es sollte auf jeden Fall eine ehrliche Aussage sein.

Nachdem die Identität im Positiven gesichert ist, können Sie nun Ihr Anliegen formulieren. In diesem Fall ist es gut, das Anliegen zu begründen, z.B. ist Ihnen die Sauberkeit der Küche vielleicht wichtig, weil es Sie bei dem Gedanken schaudert, dass Sie Bakterien im Essen haben. Wenn Sie ein echtes Anliegen haben, werden Sie immer wissen, warum es Ihnen wichtig ist.

Intakte Kommunikation

Intakte Kommunikation Quelle: studio @Fotolia

Aus dem Schema Aussteigen

Ein leicht praktikabler Weg, einen neuen Rahmen zu schaffen und aus dem Argumentationsschema auszusteigen ist, es offen anzusprechen. Wenn Sie also bemerken, dass Sie in die Endlosschleife aus gegenseitig recht haben wollen oder besser sein zu wollen als der Andere sind, dann sprechen Sie an, dass Sie wahrnehmen, dass Sie sich gerade in diesem Schema befinden. Drücken Sie aus, dass Sie keinen Sinn in dieser Kommunikationsform sehen, weil sie in 99,9% der Fälle nicht zu einer Lösung führt. Schlagen Sie vor, also Handlung vom Selbstbild zu trennen und konkret bei dem zu bleiben, worum es Ihnen beiden im Kern sachlich geht.

Wortdetails – Den Effekt wichtiger Worte bewusst einsetzen

Wenn ich z.B. die Identität vom Handeln unterscheide, indem ich sage: „Ich finde Sie ok, aber Sie schreien immer so“, was bleibt als Wirkung bei Ihnen hängen? Das ok oder das „immer schreien“? Mit Sicherheit letzteres.

Setzen Sie das Wort „Aber“ deshalb besonders bewusst ein bzw. nicht ein. Das was nach dem „Aber“ steht, entwertet das was vor dem „Aber“ steht. Wenn ich den Satz also umdrehe und sage „Sie schreien immer so aber ich finde Sie ok.“, so ist die Aussage weniger aggressiv. Er drückt aus: Ich akzeptiere nicht Ihr Verhalten aber Ihre Identität.

Das Problem bei dieser Formulierung ist aber, dass die eigentliche Aussage entkräftet ist. Denn bei dieser Kommunikation geht es ja  um das Bedürfnis nach einem Verändern des Verhaltens, also dass in Zukunft nicht mehr lautstark kommuniziert werden soll.

Wenn ich das „Aber“ durch ein „Und“ ersetze, wird das eigentliche Anliegen wieder wichtig, ohne die Identität zu entwerten: „Ich finde Sie ok UND  Sie schreien immer so.“ Dass dieser Satz bei Ihrem Gegenüber aber noch nicht gut ankommt, liegt noch an der konkreten Wortwahl.

Goldene Regel: Wie wirkt die Aussage, wenn sie sie auf sich beziehen?

Die goldene Regel lautet: lesen Sie sich den Satz vor und nehmen Sie wahr, wie er auf Sie wirkt, wenn jemand das zu Ihnen sagt. Und formulieren Sie so lange um, bis der Satz Ihrem Gegenüber Wertschätzung ausdrückt und gleichzeitig das Anliegen auf der Handlungsebene klar formuliert. Machen Sie das zunächst schriftlich, wenn Sie Übung darin haben, werden Sie das auch in einem Gespräch automatisch richtig formulieren.

 

Pauschalisieren unterlassen

Ein wichtiger Grund, warum der Satz „Ich finde Sie ok UND  Sie schreien immer so.“ keine gute Wirkung hat, ist die Pauschalisierung „immer“. Wenn Sie hören „Ich finde Sie ok UND  Sie schreien so.“ werden Sie feststellen, dass dies wesentlich weniger Aggressiv klingt.

Lassen sie also Pauschalisierungen wie „immer“, „nie“, „jedes mal“ usw. weg und beziehen Sie sich auf eine spezifische Situation. Messen Sie dieser konkreten Situation nur die Bedeutung zu, die sei tatsächlich hat und laden Sie nicht andere Themen oben drauf.

 

Positiv formulieren

Aber selbst der Satz „Ich finde Sie ok UND  Sie schreien so.“ klingt noch seltsam, richtig? Der Grund ist, dass er immer noch den Vorwurf enthält „Sie schreien so“. Also gilt es, solche Einflechtungen herauszunehmen. Statt des Vorwurfs können sie Ihre eigene Empfindung formulieren oder Ihren Wunsch, oder Beides in Kombination.

Sie können Ihr Anliegen also nach folgenden Schemen formulieren:

  1. „Ich habe Wertschätzung für Sie und gleichzeitig wünsche ich mir, dass …“B. „Sie sind eine hervorragende Führungskraft und gleichzeitig wünsche ich mir, dass wir auch bei schwierigen Themen in einer freundlichen Lautstärke miteinander reden.“
  2. „Ich wertschätze Sie als Identität, ich fühle mich nur unwohl mit … und würde gerne …“B. „Du bist ein toller Ehemann und Vater, ich fühle mich nur unwohl, wenn wir in dieser Lautstärke miteinander reden und würde mir wünschen, dass Du so mit mir redest, wie sonst bei einem ganz normalen Abendessen.“

Durch eine positive Formulierung kann es durchaus sein, dass eine Streitsituation ganz schnell umkippt. Wenn Sie, bleiben wir bei dem Beispiel, statt einem Vorwurf über die Lautstärke einfach sagen würden: „Ich habe den Traum, dass wir auch in einer solchen Situation mit Freude und Freundlichkeit miteinander reden“ kann das bereits alles ausdrücken, was nötig ist. Von diesem Punkt aus können Sie dann vielleicht auch noch genauer mitteilen, worum es Ihnen geht, ohne dass das zu einer Missstimmung führt.

Fazit

So, jetzt wissen Sie alles, um aus einem Streitgespräch ein positives Gespräch zu machen und dabei Ihre Sicht und Ihr anliegen anzubringen. Ob Sie recht haben, oder der Andere, ist dann nicht mehr von Belang, wenn Sie beide im Wohlwollen eine Lösung wählen. Oft ist keiner schuld aber beide haben Kommunikationsmuster, die zusammen in die Eskalation führen und diese gilt es zu unterbrechen.

Schnellanleitung Schritt-für -Schritt

Weil dieses Wissen zwar wichtig ist, aber für den Anfang möglicherweise noch zu komplex ist, um es sofort umzusetzen finden Sie hier noch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie Sie aus dem destruktiven Kommunikationsmuster in ein Positives kommen.

 

  1. Ändern Sie Ihre innere Haltung: Gehen Sie von guten Absichten aus und öffnen Sie sich dafür, dass es eine Lösung gibt.
  2. Machen Sie sich und Ihrem Kommunikationspartner darauf aufmerksam, dass Sie sich gerade im Kommunikationsmuster „ich habe recht und Du unrecht“ oder „Ich bin gut und Du bist böse“ befinden.zeigen Sie auf, wohin dieses Muster im Regelfall führt.
  3. Schlagen Sie vor, aus dem Muster auszusteigen.
  4. Drücken Sie aus, dass Sie die Handlung klar von der Identität unterscheiden und Sie ein wichtiges Anliegen auf der Handlungsebene haben.
  5. Drücken Sie Ihre Wertschätzung für Ihren Kommunikationspartner auf der Identitätsebene aus.
  6. Drücken Sie Ihr Anliegen positiv formuliert aus.
  7. Nehmen Sie die Sichtweise Ihres Gegenübers auf.
  8. Schlagen Sie eine Lösung vor.
  9. Einigen Sie sich über eine Lösung.

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